Guido Thiemeyer
Vom »Luftkurort« zur
»Schlafstube von Köln«
Aspekte der gesellschaftlichen »Modernisierung« 19451970
am Beispiel der Fremdenverkehrspolitik in der Gemeinde Rösrath
GiK 48 (2001), S. 173186
Abstract:
Der Beitrag beschreibt die Bemühungen der zwanzig Kilometer östlich von Köln gelegenen Gemeinde Rösrath um eine aktive Fremdenverkehrspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit der Eröffnung der Eisenbahnverbindung nach Köln 1910 wurde die Gemeinde gerne von den Großstädtern als »Sommerfrische« genutzt. Nahezu bruchlos übernahmen die Rösrather Kommunalpolitiker in den fünfziger Jahren die Fremdenverkehrspolitik der Vorkriegszeit. Mit steigenden Durchschnittseinkommen und höherer Mobilität verlor der »Fremdenverkehrsort Rösrath« jedoch gegen Ende der fünfziger Jahre, als die Alpen und die Nordseeküste auch für breite Teile der Bevölkerung erreichbar wurden, an Attraktivität. Rösrath profilierte sich nun als »Wohnsitzgemeinde« für Menschen, die in Köln arbeiteten. Damit bestätigt die lokalhistorische Studie, daß es gegen Ende der fünfziger Jahre einen Bruch in der westdeutschen Gesellschaftsgeschichte gibt, während die dreißiger und fünfziger Jahre in dieser Hinsicht eine Einheit bilden.
The article describes the efforts of the village of Rösrath (20 km to Cologne) to become a tourist-destination after the Second World War. Since the establishment of a railway connection in 1910 it was easy for the population of Cologne to come to Rösrath for a day-trip. After 1945 the local authorities of Rösrath tried to strengthen this economic branch successively until the end of the 1950ths. But growing per capita income and improved individual mobility at the end of this decade gave more and more people the possibility to spend the holidays in the mountains or at the seaside instead of Rösrath. The end of the 1950ths therefore mark a turning-point in the social-economic history of western Germany.