Matthias Schmandt
Straßburg und Köln. Jüdische Beziehungen im Mittelalter
GiK 49 (2002), S. 27–45

Abstract:

Als weitausstrahlende urbane Zentren am Ober- bzw. Niederrhein beherbergten die Kathedralstädte Straßburg und Köln bis ins Spätmittelalter hinein Judengemeinden von überregionaler Bedeutung. Die Kölner Judenschaft fungierte als Dreh- und Angelpunkt des jüdischen Siedlungsgefüges im gesamten Nordwesten des Reichs, während die Zentralitätsfunktion der Straßburger Gemeinde sich auf den oberrheinisch-elsässischen Raum konzentrierte. Trotz der solcherart deutlich voneinander getrennten und entfernten Einflußräume sind seit dem beginnenden 13. Jahrhundert und v.a. zwischen 1348 und 1400 überraschend vielfältige jüdische Beziehungen zwischen beiden Städten bezeugt. Migrationsphänomene sind dabei ebenso zu beobachten wie etwa der Transfer von Rechtsgewohnheiten. Dieser enge Austausch im jüdischen Bereich dürfte nicht zuletzt durch den Kontext der intensiven, hauptsächlich wirtschaftlich fundierten Beziehungen zwischen Kölner und Straßburger Christen erklärbar sein.

The cities of Strasbourg and Cologne were centers of urban and Jewish life in the Middle Ages. The jewish communiuty of Cologne dominated the structures of jewish settlement in the north-western part of the empire, whereas the Kahal of Strasbourg was a forepost for the upper Rhine and Alsace. In spite of these clearly divided areas of influence there have been remarkable jewish relationships between Cologne and Strasbourg, including migration and transfer of legal traditions. These contacts have probably to be seen in connection with numerous economic links between christian merchants in both cities.