Margret Wensky
Erwerbstätige Frauen in der
mittelalterlichen Stadt
ein Vergleich der europäischen Metropolen Paris, London und
Köln
GiK 49 (2002), S. 4761
Abstract:
In vielen Ländern Europas hatten Frauen während des Mittelalters Anteil an der Stadtwirtschaft. Jedoch setzte noch während des Mittelalters ein grundlegender Wandel ein: Frauen wurden zunehmend aus Handel und Gewerbe verdrängt. Am Ende des 15. Jahrhunderts war in vielen Städten ihre Erwerbstätigkeit schon stark reduziert: entweder arbeiteten sie nicht mehr oder ihre Arbeit war männlichen Meistern und Unternehmern untergeordnet. Frauen waren die Verlierer im zunehmenden Schließungsprozeß der Zünfte und bei der Einführung neuer Techniken (neue Webstühle) im Textilgewerbe. Im Mittelpunkt steht ein Vergleich der Frauenarbeit in Paris, London und Köln, die frühe Handelsbeziehungen miteinander verbanden. Alle drei Städte kannten eine breite, jedoch qualitativ unterschiedliche Teilhabe der Frauen an der Stadtwirtschaft, vor allem aber ein von Frauen dominiertes Seidengewerbe. Es ist nicht auszuschließen, daß die Seidengewerbe in London und Köln nach Pariser Vorbild entstanden sind. Für Paris ist die Frauenarbeit im hohen Mittelalter am besten dokumentiert. Neben dem Seidengewerbe gab es zahlreiche weitere Erwerbszweige, in denen Frauen vertreten waren, seit dem 15. Jahrhundert jedoch in abnehmender Zahl. Im spätmittelalterlichen London war Frauenarbeit stark verbreitet; neben Alleinstehenden sind vor allem im Familiennetzwerk arbeitende Frauen in unterschiedlichen Berufen nachzuweisen. Das Londoner Seidengewerbe war bis Mitte des 16. Jahrhunderts von Frauen dominiert. Köln hat den Frauen mehr rechtliche und wirtschaftliche Möglichkeiten geboten als jede andere europäische Stadt. Frauen handelten mit allen in Köln gängigen Waren, hatten Anteil an der Zunftarbeit und beherrschten mit der Garnmacherei, der Goldspinnerei und vor allem dem Seidengewerbe wichtige Exportgewerbe.
During the Middle Ages in many European countries women participated in municipal economy. But even in these times a fundamental change took place: women were increasingly superseded in trade and manufacturing. At the end of the 15th century in many cities their gainful employment already was strongly reduced: either they worked never more or their work was subordinated to male masters or entrepreneurs. Women were the loosers in the process of exclusion from the guilds and in the introduction of new techniques in textile workmanship like new looms. The study compares the female employment of Paris. London and Cologne, cities connected by early trade relations. In all three women had - although it differed in its quality - a wide participation in the municipal economy. Particularly the silk business was dominated by women. There is some probability that in London and Cologne it had been formed after the example of Paris. Here the female employment of the high Middle Ages is well documented. Beside the silk business there were a lot of other economic branches in which women were present. But since the 15th century their number dropped off. In late middle age London female employment was widespreaded: women, either manufacturing as single or in a family network, can be proved in different professions. The London silk business was dominated by women up to the middle of the 16th century. Cologne gave more legal and economic opportunities to the women than any other European city. They dealt with the whole range of goods common in Cologne, participated in guild employment and controlled important export trades as threadmaking, goldwebbing and particularly the silk business.