Carolin Wirtz
Kulturelle Beziehungen zwischen Köln und Venedig im 15. und 16. Jahrhundert
am Beispiel von Goldschmieden
GiK 49 (2002), S. 63–83

Abstract:

In der Stadt Köln gehörten die Goldschmiede zur sozial und politisch führenden Schicht, und sie hatten einen großen Anteil am Fernhandel. Dabei waren die Grenzen zwischen Kaufleuten und Goldschmieden fließend. Die Quellen zeigen viele Personen, die in beiden Bereichen tätig waren. Die engen Handelsbeziehungen, die seit dem Mittelalter zwischen Köln und Venedig bestanden, waren die Grundlage für die Verbreitung von Goldschmiedearbeiten aus dem Rheinland in Venedig, was durch kunsthistorische Stilvergleiche gezeigt werden kann. Insbesondere im 15. Jahrhundert war der gotische Stil der rhein-maasländischen Goldschmiedearbeiten in dieser Stadt sehr beliebt. Es existieren sogar Belege dafür, daß venezianische Auftraggeber ausdrücklich Arbeiten in diesem Stil verlangten. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich Venedig zu einem besonderen Anziehungspunkt für Kölner Goldschmiede. Eine Reihe von ihnen ließ sich dauerhaft dort nieder: Sie erwarben das Bürgerrecht, um ausgedehnte Handelsbeziehungen nach Mittel- und Osteuropa aufbauen zu können. So zeigt sich deutlich anhand der Goldschmiede und ihrer Arbeiten daß der kulturelle Austausch zwischen Köln und Venedig in der Frühen Neuzeit nicht nur von Süden nach Norden verlief, sondern von wechselseitigen Beziehungen geprägt war.

In the City of Cologne goldsmiths were part of the socially and politically leading class. They played an important role in the long-distance trade. As manyn sources show, goldsmiths were often merchants at the same time. The close trade relationships between Cologne and Venice, which had existed since the Middle Ages, were the basis of the spreading of the Rhenish goldsmiths‘ artefacts in Venice, as historians of art have proved by comparing styles. Especially in the 15th century the gothic style of the area between the Rhine and the Meuse was very popular in Venice. There are sources which show that even Venetian patrons asked for artefacts in this particular style. In the 16th century Venice became a specially attractive city for Cologne goldsmiths. Some of them went to live there permanently and they applied for the citizenship. So they were able to spread their trade from Venice to Middle and Eastern Europe. The example of goldsmiths shows clearly that the cultural exchange between Cologne and Venice in the Early Modern Age was not one-sided from South to North, but went in both directions.