Thomas Deres
Das Bing-Haus.
Ein Fallbeispiel von »Arisierung« und »Wiedergutmachung« durch die Stadt Köln
GiK 49 (2002), S. 193–204.

Abstract:

Die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ist zumeist unter dem Gesichtspunkt der Ausrottung in den Konzentrations- und Vernichtungslagern betrachtet worden. Erst in den späten 1980er Jahren schenkte die Forschung der wirtschaftlichen Verfolgung Aufmerksamkeit, wobei die Rolle der Städte bei der »Arisierung« sich als nicht unerheblich erwies. Die Beteiligung der Stadt Köln wird am Fall des Kaufhauses der Textilgroßhandelsfirma Gebrüder Bing exemplarisch untersucht. Die Stadtverwaltung erwarb 1939 deren Gebäude am Neumarkt, um hier das Gesundheitsamt unterzubringen. Dieses mußte seine Räume für den geplanten Ost-West-Straßendurchbruch aufgeben. Nach dem Krieg verweigerte die Stadtverwaltung zunächst die Wiedergutmachungsansprüche der Erben mit dem Hinweis auf den hohen Kaufpreis und die von ihr erstellten Wertgutachten. Erst der unbedingte Wunsch, sich den Besitz der Häuser zu sichern, führte zu einer Anerkennung der Ansprüche und einer Wiedergutmachungszahlung durch die Stadt Köln.

The main aspect of looking at the persecution of the jewish population has mostly been their extermination in the concentration- and extermination-camps. From the late 1980s historical research payed attention also to the economic persecution. In doing so the part the municipalities played in the so called Aryanization proved to be not insignificant. The participation of the Cologne municipality is analised here as an example in the case of a department store originally owned by the wholesale firm for textiles Gebrüder Bing (Bing Bros.). The municipality acquired the building at Neumarkt in 1939 to place the public haelth office there. That had given up its former place for a planned breakthrough of a street-axis from East to West. After the war the municipality first refused the heirs claims to reparation with reference to the high price and a value judgement made by city officials. Only the unconditional desire to guarantee the possession of the Neumarkt-building for the city led to the recognition of those claims and to a payment of reparation.