Werner Eck
Köln im Übergang von der Antike zum Mittelalter
GiK 54 (2007), S. 7–26.

Abstract:

In dieser überarbeiteten Fassung eines am »Kölner Tag der Geschichte« (Mai 2007) gehaltenen Vortrages zeigt der Autor gegenüber älteren Auffassungen, dass es keinen Zusammenbruch des römischen Köln in Spätantike und frühem Mittelalter gegeben habe. Vielmehr lebte die Stadt in wesentlichen Bereichen weiter und zwar mit großer Lebendigkeit. Anhand neuer Grabungsbefunde unter der heutigen Hohe Straße zeigt sich zum Beispiel, dass in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts der Straßenbelag systematisch und zentral gelenkt erneuert wurde, was in einer Krisenphase sicher unterblieben wäre, wenn das Ende des Gemeinwesens absehbar gewesen wäre. Auch die immer wieder als Argument angeführte Lücke in der Kölner Bischofsliste trägt nicht zur Untermauerung der These vom Zusammenbruch des Kölner Gemeinwesens, da diese Liste historisch belegbare Bischofsnamen ebenfalls nicht benennt. Alles spricht vielmehr dafür, dass die Kölner Kirche im 5. und 6. Jahrhundert keinen Abbruch erlebte, dass sie vielmehr kontinuierlich weiterlebte und von einem Bischof geleitet wurde. »Colonia« blieb als Siedlung und Mittelpunkt wesentlich bedeutsamer und organisierter, als man sich das bis vor kurzem hatte vorstellen wollen.