Alexandra Haertel
»umb eyn gemeyne beste ind ere der
stede«.
Regelungen des Kölner Wirtschaftslebens durch den Rat der Stadt im
Spätmittelalter
GiK 54 (2007), S. 27–59.
Abstract:
Die Stadt Köln – eine der bedeutendsten und
einflussreichsten deutschen Handelsstädte – konnte über Jahrhunderte und unter
sich stetig wandelnden Rahmenbedingungen eine wirtschaftliche Blüte wahren. Wie
gelang dies und welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend? Der Aufsatz
untersucht zum einen die Ziele, Methoden und Instrumente der sehr erfolgreichen
Wirtschaftspolitik des Rates im spätmittelalterlichen Köln, insbesondere das
detaillierte Regelungs- und Kontrollsystem für Handel und Gewerbe. Zum anderen
beschäftigt er sich mit der Realität hinter den Normen und mit dem Zusammenhang
zwischen der sozialen Herkunft der Ratsherren und der schwerpunktmäßig auf das
Wohl von Handel und Gewerbe ausgerichteten Wirtschaftspolitik des Rates. In
diesen Zusammenhang gehören auch die Vorkaufsrechte einheimischer vor
auswärtigen Kaufleuten, die Monopole auf den Zwischen- und den Detailhandel
sowie das Stapelrecht. Das System der Qualitätskontrolle, die Strategie des
Rates, Köln für auswärtige Händler zum »letzten Markt« werden zu lassen, die
umfassende Versorgungspolitik für ihre Einwohner und schließlich die
erfolgreiche Steuererhebung – diese Bestandteile der Wirtschaftspolitik
verweisen darauf, dass der Rat das Gemeinwesen Stadt als Gesamtheit verstand,
welches nur erfolgreich sein konnte, wenn es auf gesunden wirtschaftlichen Grundlagen
aufbaute. Soweit Krisenerscheinungen des Spätmittelalters sichtbar wurden,
hatten sie ihre Wurzeln größtenteils in Strukturen und Ereignissen, die
außerhalb der Stadt lagen und damit dem Einfluss des Rates entzogen waren.