Anette Baumann
Frauen aus Köln und Frankfurt am
Main vor dem Reichskammergericht
GiK 54 (2007), S. 95–111
Abstract:
Die Erforschung der Rolle von Frauen vor den höchsten
Gerichten des Alten Reiches, insbesondere dem Reichskammergericht (RKG), ist
bis jetzt nur ansatzweise erfolgt. Dabei waren bei rund zehn Prozent aller
Prozesse Frauen beteiligt, was verschiedene Fragen aufwirft, die beispielhaft
anhand von Frauen aus den Städten Köln und Frankfurt am Main untersucht werden,
die als Prozessparteien am RKG auftraten. Beide Städte waren Reichs- und
Handelsstädte, in denen Frauen zu großen Teilen nicht der Geschlechtervormundschaft
unterworfen waren, sodass sich Köln und Frankfurt besonders als
Untersuchungsobjekte eignen. Im Ergebnis zeigt sich, dass in beiden Städten der
durchschnittliche Anteil von Frauen als Prozessbeteiligte ein höherer war als sonst
im Alten Reich. Bei 60 Prozent (Frankfurt) bzw. 70 Prozent (Köln) der Frauen handelt
es sich um Witwen, bei den übrigen entweder um Ehefrauen, bei denen es meist um
Fragen von Anteilen oder Haftung aus dem Geschäft des Mannes ging, oder um
ledige Frauen, wobei im katholisch gebliebenen Köln die Zahl der geistlichen Würdenträgerinnen
größer war als in Frankfurt.