Barbara Manthe
Navajos und Edelweißpiraten in Köln.
Zur Politisierung unangepassten Jugendverhaltens im »Dritten Reich«
GiK 54 (2007), S. 197–217

Abstract:

In Köln waren während des »Dritten Reichs« unangepasste Jugendliche, sogenannte Navajos und Edelweißpiraten, ein weitverbreitetes Phänomen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich zwischen 1933 und 1945 Tausende dieser Jugendliche an öffentlichen Plätzen, in Parks und in Gaststätten trafen. Sie kamen vornehmlich aus der Arbeiterschaft und entzogen sich den Erfassungsversuchen der Hitlerjugend. Stattdessen machten die Jugendlichen Musik und gingen in der näheren Umgebung der Großstadt wandern. Ihre autonome Freizeitgestaltung wurde von den Nationalsozialisten verfolgt – über diese Verfolgungsmaßnahmen politisierten sich die Jugendlichen zunehmend. Verschiedene Gruppen und Gruppenstrukturen wie etwa der »Klub der Edelweißpiraten« aus Köln-Nippes entwickelten oppositionelle Aktivitäten. Die Jugendlichen griffen Streifen der HJ an, sangen regimekritische Lieder und fertigten Flugblätter an, in denen sie ihrer Ablehnung Ausdruck verliehen. In Abgrenzung zur sogenannten »Kölner Kontroverse«, die seit Jahrzehnten um eine bestimmte (Erwachsenen-) Gruppe aus Köln-Ehrenfeld kreist, eröffnet sich mit der Betrachtung unangepasster Jugendgruppen der Blick auf eine breite und widerständige Bewegung, die mitunter eine dezidierte Ablehnung des NS-Systems entwickelte.