André Krischer
Bürgermeisterbegräbnisse im frühneuzeitlichen Köln.
Zu den Bedeutungsebenen eines städtischen Rituals im Wandel (1431–1797)
GiK 55 (2008), S. 7–35.

Abstract:

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit war es in Köln üblich, dass ein im Amt verstorbener Bürgermeister durch ein vom Rat organisiertes, durchgeführtes und finanziertes Begräbnis beigesetzt wurde. Das Begräbnisritual erwies sich dabei im Laufe der Jahrhunderte als erstaunlich flexibel und offen für unterschiedliche Bedeutungsebenen. Dieser Ritualdynamik versucht der Beitrag nachzugehen und zu analysieren: So war das Begräbnisritual sowohl ein Symbol für die Verfassungsordnung von 1396 als auch für die Verfassungsgebrechen, der Ämterkumulation und der Aneignung des Bürgermeisteramts durch einige wenige Kölner Familien. Das Ritual symbolisierte die Unsterblichkeit der Stadt als Körperschaft, betonte den altgläubigen Charakter Kölns im Zeitalter der Gegenreformation und sollte vor allem Macht und Ehre des Rats zum Ausdruck bringen. Ein Symbol für die Stadt als Ritual- und Sakralgemeinschaft war das Bürgermeisterbegräbnis allerdings nur bedingt: Die zahlreichen weltlichen und geistlichen Teilnehmer wurden stets für ihre Mitwirkung am Ritual entlohnt. Gleichwohl zeigt sich, dass der von der neueren Stadtgeschichtsforschung propagierte ›performative turn‹, also die Beobachtung der städtischen Gesellschaft anhand ihrer Rituale, auch in diesem Kontext neue Erkenntnisse über die Verfassungskultur der Reichsstadt hervorbringt.