Gerd Schwerhoff
Kriminalität in der Reichsstadt Köln um 1700 – ein neuer Blick vom Turm
GiK 55 (2008), S. 63–85.

Abstract:

Die Turmbücher mit ihren Protokollen von Verhören und Zeugenvernehmungen zu Kölner Kriminalfällen bildeten bereits die Grundlage für eine Studie des Verfassers zum späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Der vorliegende Aufsatz untersucht auf der Basis einer neuen Stichprobe von fünfzehn Jahren zwischen 1698 und 1712 das Profil der so überlieferten Kölner Kriminalität in dieser späteren Zeit und vergleicht es mit den früheren Befunden. Es zeigt sich, dass wesentlich weniger Personen in einem vergleichbaren Zeitraum verhaftet und verhört wurden; die meisten wurden danach der Stadt verwiesen. Das Deliktspektrum hatte sehr stark zur Eigentums- und Sittendelinquenz hin verschoben, während zuvor Gewaltdelikte dominiert hatten. Sozial waren die Delinquenten zu einem sehr hohen Prozentsatz der Unterschicht zuzurechnen. Inwieweit sich in diesen Befunden tatsächliche Veränderungen in Verhalten und Lebenswelt spiegeln, müssen weitere Untersuchungen klären.