Miklós Sirokay
Sulpiz
Boisserée in Italien. Die Geisteshaltung eines Kunstsammlers und Kunstkritikers
aus der Zeit der Romantik
GiK 55 (2008), S. 87–107.
Abstract:
Der Kölner Sulpiz Boisserée (1783–1854) hat sich zeitgenössisch als Sammler und maßgeblicher Förderer der Domvollendung einen hervorragenden Ruf erworben. Obwohl sein Wirken immer auf den Erhalt künstlerischer Meisterwerke abzielte und den entstehenden Fächern der Kunstgeschichte und des Museumswesens wesentliche Impulse gab, ist seine Bedeutung eher in Vergessenheit geraten. Die Ausführungen widmen sich dem Menschen Boisserée und der gedankengeschichtlichen Einordnung seiner Überzeugungen. Grundlage hierzu liefert seine Reise durch Italien in den Jahren 1837–1839. Boisserées Tagebuchaufzeichnungen jener Jahre enthalten zahlreiche Stellungnahmen, die sein Selbstverständnis beleuchten bzw. die individuelle, gesellschaftliche und nationale Identität in der Auseinandersetzung mit Italien verorten. Die zu Tage tretende Gedankenwelt ist der Denkweise der Romantik verwandt: So bewundert er die sich vor ihm ausbreitende sakrale mittelalterliche Kunst und Architektur der Gotik. Boisserées Weltanschauung schließt ein Geschichtsbild ein, das sich im Reichspatriotismus und der Klimatheorie ausdrückt und nationalhumanistische Ansichten offenbart.