Daniel Berger
Zur normativen Ausrichtung Kölner Kollegiatstifte im Spätmittelalter.
Überlieferungsfunde aus dem Historischen Archiv der Stadt Köln (HAStK GA 100c)

GiK 56 (2009), S. 125–154.

Abstract:

Der Beitrag behandelt die im 15. Jahrhundert an einem Kölner Kollegiatstift (vermutlich St. Gereon) entstandene Handschrift HAStK GA 100c, in der mehrere normative Texte zum Kanonikertum des Kölner Erzbistums zusammengestellt sind. Die aus verschiedenen Jahrhunderten stammenden Vorschriften werfen ein vergleichsweise seltenes Schlaglicht auf Selbstverständnis und Orientierungspunkte spätmittelalterliche Kollegiatstifte. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem am apostolischen Ideal ausgerichteten Gemeinschaftsleben und auf der Einbettung des Grundtextes zum Kanonikertum, der Aachener Regel von 816, in das römisch-kanonische Recht des Hochmittelalters. Darüber hinaus ist die Handschrift als Überlieferungsträger von Interesse, da in ihr bislang nicht beachtete Abschriften zweier Bischofsurkunden des 9. Jahrhunderts – einer Urkunde Erzbischof Williberts von 874 sowie einer Gebetsverbrüderung des Chorbischofs Hildebert († 862) – zu finden sind.