Eva-Maria Schnurr
»Jedem anbringer gleub ich so balt nit«.
Informationsbeschaffung und Mediennutzung des Kölner Bürgers Hermann Weinsberg während des Kölner Kriegs (1582 bis 1590)

GiK 56 (2009), S. 171–206.

Abstract:

Wie informierte sich Hermann Weinsberg über den Kölner Krieg? Woher bezog er seine Informationen, welche Medien nutzte er, und wie bewertete er die Neuigkeiten sowie deren Quellen? Hinweise darauf finden sich in seinen autobiografischen Aufzeichnungen, in denen er nicht nur Berichte über den Konflikt festhielt, sondern zumeist auch, wie er von den Ereignissen erfahren hatte. Weinsberg bediente sich unterschiedlicher Quellen: In erster Linie erfuhr er Nachrichten mündlich, durch Gerüchte oder Augenzeugenberichte. Ergänzend nutzte er gedruckte Medien, insbesondere illustrierte Einblattdrucke. Weinsberg war ein kritischer Mediennutzer: Er verglich unterschiedliche Versionen eines Ereignisses, wägte ab und bildete sich selbst eine Meinung. Dabei vertraute er Informationen aus verschiedenen Quellen in unterschiedlichem Maße. Bei Weinsberg zeigt sich eine Rezeptionshaltung gegenüber Informationen und Medien, die die ersten periodischen Zeitungen ab 1605 wie selbstverständlich voraussetzten. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist deshalb, dass bereits am Ende des 16. Jahrhunderts Formen der Informationsrezeption etabliert waren, an die die gedruckten Zeitungen im 17. Jahrhundert anknüpfen konnten. Eine Zusammenstellung der Druckmedien, die Weinsberg während des Kölner Kriegs las oder die er zumindest kannte, beschließt die Untersuchung, die insgesamt das Informationsverhalten eines gebildeten Bürgers am Ende des 16. Jahrhunderts rekonstruiert und zeigt, welche Rolle gedruckten Medien darin zukam.