Simone Görl
Die
Werbefilme des Kölner Interessenverbands Die WAAGE –
Gemeinschaft zur Förderung des sozialen Ausgleichs e. V.
GiK 56 (2009), S. 333–355.
Abstract:
»Die WAAGE« war ein in Köln eingetragener Verein deutscher Industrieller, der in der ›Wirtschaftswunder-Zeit‹ der 1950er- und 1960er-Jahre durch eine aufwendige Werbekampagne die Meinung der Bevölkerung zugunsten der Sozialen Marktwirtschaft beeinflussen sollte. Für die Zwecke der Initiative wurden Anzeigen in Zeitungen geschaltet, Filme für das Kinovorprogramm gedreht und Plakate entworfen. Denn tatsächlich war die Soziale Marktwirtschaft als politischer Begriff zu Beginn der 1950er-Jahre im öffentlichen Diskurs noch weitgehend unbekannt. Mit diesen Mitteln sollte eine ›hegemoniale‹ Stellung im politisch-gesellschaftlichen Diskurs durchgesetzt werden. Durch den unbelasteten Begriff der Sozialen Marktwirtschaft sollte die kapitalistische Wirtschaftsordnung neue Akzeptanz finden. Der Beitrag untersucht die fünf Werbefilme der WAAGE und zeichnet mit einem Blick auf ihre Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte sowie einer anschließenden Filmanalyse deren Wirkung nach. Insgesamt kennzeichnen die Werbefilme einen ›Lernprozess‹ für die Public Relations-Konzeption der WAAGE. Dabei lässt sich eine Entwicklung weg von einer inhaltlichen Argumentation hin zu einer unterhaltenden Vermittlung feststellen, bei der die explizite ideologische Botschaft in den Hintergrund rückt. Mit diesen innovativen multimedialen Strategien der politischen Kommunikation kann die WAAGE als erste bundesdeutsche Medienkampagne großen Stils gelten.